Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#29 Anna & Bernhard Blume
Küchenkoller, 1985

Silber-Gelatine-Druck, 10-teilige Sequenz je 200 x 126 cm

Anna & Bernhard Blume
Geboren 1937 in Bork/Westfalen (Anna) und 1937 in Dortmund (Bernhard)
Leben und arbeiten in Köln

"Sind Kartoffeln nur Kartoffeln, oder können es auch Seelenzeichen sein? Muß man sie nicht als Objektivationen sehen, z.B. unterdrückter, nicht gelebter Wünsche, Triebe? Können dann Kartoffeln nicht zuweilen Truggebilde sein, photogene Manifestationen einer lang frustrierten Seele, die sonst sprachlos bleiben müsste?"¹ Diese Gedanken in Bezug auf ihr Kunstwerk halten Anna und Bernhard Blume selbst in ihrem „Statement zu Sequenz ‚Küchenkoller‘“ fest. Dabei betonen sie, dass diese Interpretation nur ein Vorschlag unter den vielen Möglichkeiten ist, dieses Kunstwerk zu sehen. Laut ihrer Interpretation sind die Kartoffeln nicht mehr den Kräften unterworfen, wie wir sie in unserem Alltag kennen - also z.B. der Gravitationskraft. Sie gehorchen vielmehr den "hausfraulichen Seelenkräften". Der Betrachter soll sich selbst einmal mit Hilfe des Bildes objektiv sehen, da er es sich bisher verwehrte, sich selbst in diesem Zustand wahrzunehmen, so Blumes. Die Betrachtung dieses Kunstwerks sei insofern eine Art "Phototherapie".

Anna und Bernhard Blume, die sich selbst als "ein typisch-kleinbürgerliches, katholisch-deutsches Ehepaar"² bezeichnen, forschen auch in vielen anderen ihrer Kunstwerke "in Selbstversuchen nach dem paarweise in Wohnzimmern lebenden Kleindeutschen"³.

¹ Blume, Anna und Bernhard: "Statement zu der Sequenz "Küchenkoller". Ein Interpretationsvorschlag unter vielen", in: Blume, Anna und Bernhard: "Transsubstanz und Küchenkoller. Großphoto-Serien 1985-1994", Hannover 1996, S. 38.
² Zitat aus Blume, Eugen: "Die Materie ist ein Irrtum" in: Blume, Anna und Bernhard: "Reine Vernunft", Köln 2008, S. 71
³ Blume, Eugen: "Die Materie ist ein Irrtum" in: Blume, Anna und Bernhard: "Reine Vernunft", Köln 2008, S. 71