Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#43 Bernadette Corporation
Untitled, 2008

untitled, 2008 (Detail)
Installation
Größe variabel

Bernadette Corporation
Künstlerkollektiv, gegründet 1994

Die Arbeiten der Bernadette Corporation wirken wie Dokumentationen. In den Vitrinen liegen Bücher, kleine Monitore, bedruckte T-Shirts oder Fotos, auf denen wiederum Lupen stehen. An der Wand hängt ein programmatischer Text über die eigene Identität als Künstlergruppe, und auf dem großen Monitor laufen Szenen einer Modenschau. Größere Fotoabzüge zeigen ebenfalls Models, die meist etwas gelangweilt aussehen und nicht auf den Moment der Aufnahme konzentriert sind. Und tatsächlich dokumentiert der Raum einige Projekte der Gruppe wie den kollektiv verfassten Roman »Reena Spaulings«, die in Paris entstandenen Modeprojekte der späten 1990er-Jahre oder das filmische Wahrnehmungsweisen thematisierende »Pedestrian Cinema«-Projekt von 2007. Gleichzeitig sind die gezeigten Arbeiten und Materialien jedoch immer auch mehr als bloße Dokumentationen. Im strengen Sinn gibt es gar kein eigentliches Ereignis, das dokumentiert werden könnte. Die Projekte existieren einfach in unterschiedlichen Formaten, eines davon ist die Ausstellung im Hamburger Bahnhof. Was sich also zeigt, ist ein Arbeitsprinzip, das nicht auf ein Abwesendes verweist, sondern die einzelnen Elemente unmittelbar aufeinander bezieht. Die Welten der Mode, des Romans, des Films und der Konzeptkunst werden miteinander verwoben. Was dabei thematisiert wird, ist die Bewegung der Gruppe selbst, die versucht, sich in diese verschiedenen gesellschaftlichen Felder einzubringen, sich aber aus ihnen auch immer wieder zurückzieht. Anstelle eines eindimensionalen künstlerischen Karrieremodells in einem dieser Felder wird ein verwirrendes Spiel um Identitäten und professionelle Ansprüche, Zuständigkeiten und Zuschreibungen inszeniert. Immer wieder adressieren die Arbeiten dabei den Akt der Wahrnehmung selbst und beziehen so die Betrachtenden in dieses Spiel ein.