Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#53 Dmitry Gutov
Thaw, 2006

Video: Thaw, 3’40”
Musik: Dmitri Shostakovich
Op.121 (1965)
Gesang: F. Kuznecov, Klavier Y. Serov

Text:
Obwohl mich dieser halbstarke Fedulov verprügelt hat
habe ich mich nicht bei den Vertretern
unserer hervorragenden Miliz beschwert
sondern mich dazu entschlossen mich
mit den bereits bezogenen Schlägen zu begnügen

Dmitry Gutov
Geboren 1960 in Moskau
Lebt und arbeitet in Moskau

Der Titel Thaw (Schneeschmelze) der Video Arbeit bezieht sich auf ein gleichnamiges Gemälde des russischen Landschaftsmalers Fedor Vasiliev, 1871, Tretyakov Gallery, Moscow. Der in Zeitlupe gedrehte Film zeigt einen alternden Mann, den Künstler selbst, der auf einem Landweg im Tauwetter auf schmelzendem Schnee und Morast ausrutscht. Er verliert seine Brille im Schlamm, findet sie wieder, reinigt sie und versucht vergeblich im Schneematsch wieder auf die Beine zu kommen. Thaw bezieht sich auf die post-stalinistische so genannte „Tauwetter Periode“ unter Chruschtschow. Auf diese Zeit verweist auch die Komposition von Dmitri Shostakovich, eine Vertonung eines lapidaren Leserbriefes der in der legendären satirischen Zeitschrift Krokodil veröffentlicht war.

Die Arbeit des Künstlers und Theoretikers Dmitri Gutov greift gezielt ästhetische Konzepte des Marxismus, wie das von Michail Lifschitz, auf und findet in der Tradition der sowjetischen Kunst der 1920–1930er und 1960er Jahre seine Bezugspunkte zur Gegenwart. Gutovs realistischer Historismus ist ein lebendiges Erleben der Vergangenheit als Aktualität. Er vertritt dezidiert die Position des sozial engagierten Künstlers mit einer ausgeprägt kritischen Position zur Gegenwart. Sein vielseitiges Werk umfasst Malerei, Installation, Fotografie und Video sowie Arbeiten im Außenraum.