Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#20 Hans Peter Feldmann
Konvolut, 2006

Hans-Peter Feldmann
Geboren 1941 in Hilden
Lebt und arbeitet in Düsseldorf

Nach seinem Studium der Malerei an der Düsseldorfer Akademie galt Hans Peter Feldmanns Interesse vor allem den gefundenen Bildwelten, den vorgefertigten, anonymen Bildern der Alltagswelt. Zwischen 1968 und 1974 entstanden die so genannten "Hefte", in denen er zum ersten Mal gefundene oder als Ergänzung von Reihen selbst fotografierte Bilder thematisch ordnete. Diese typologische Vorgehensweise verdeutlicht Feldmanns Interesse an dem syntaktischen Wesen von geordneten Bildern. Feldmann benutzt ein unter Künstlern schon seit dem 16. Jahrhundert gebräuchliches Verfahren, Bildvorlagen zu sammeln und lexikalisch zu ordnen, nicht als Vorlagenkatalog für auszuführende Bildideen, sondern um die gefundenen Bilder selbst als Kunstwerk zu betrachten und zu veröffentlichen. Dabei durchsucht er das unendliche Bildreservoir der modernen Mediengesellschaft nach signifikanten, künstlerisch auswertbaren Bildfolgen.

Zunächst stand die Fotografie im Vordergrund seines Schaffens, die er nicht nur in Ausstellungen räumlich ausbreitete, sondern auch in Künstlerbüchern und der von ihm mitbegründeten, ausschließlich auf Fotografien basierenden Zeitschrift "OHIO" (seit 1995) veröffentlichte. Feldmann versucht den sich wie ohne Autorenschaft einstellenden Vorlagen der Bildmedien, die zur schnellen Verwertung bestimmt sind, einen Ort der Dauer zu geben. Er untersucht die in ihnen sich manifestierenden kulturellen Beziehungen als Formen eines kollektiven Bildgedächtnisses, das er den "originalen" Bildern der Kunst gleichsetzt. Er appelliert an die Aufmerksamkeit und Rezeptionsbereitschaft gegenüber den oftmals als banal herabgesetzten Bildwelten aus dem Alltagsbereich.

Seit einigen Jahren hat Feldmann in seine lange Zeit ausschließlich der Fotografie gewidmeten Arbeitsweisen auch dreidimensionale Fundstücke eingereiht. Er selbst sagt über diese Verfahrensweise: "Vielleicht hat sich meine Arbeit ein bisschen vom ausschließlich Fotografischen hin zu Installationen oder auch zu Objekten entwickelt, weil sie genauso gut einen Symbolgehalt repräsentieren können wie ein Foto. Das Foto ist schon allein vom Material her - Papier mit Farbe drauf - eigentlich nichts. Wenn ich es umdrehe, ist es nur Papier. Wenn ich aber in so ein Stück Papier virtuell einsteigen kann und da eine Welt sehe, ist das schon mal eine Qualität für sich. Ebenso kann ich versuchen, durch die Anordnung von Objekten Assoziationen zu erwecken. Das liebe ich genauso sehr wie Fotos, die mir auffallen und die ich zusammenstelle. Doch ich will kein Fotograf sein oder in die Kiste reinkommen. Ich bin mehr ‘Fotogucker’ als Fotograf. Aber auch das ist nur ein Aspekt. Das ist nicht alles, weder meine endgültige Zielsetzung noch meine Bestimmung."