Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#30 Kirsten Pieroth
ohne Titel, 2007

Besen, Größe variabel

Kirsten Pieroth
Geboren 1970 Offenbach/Main
Lebt und arbeitet in Berlin

Destabilisierungen von Logik und Ordnung stehen im künstlerischen Interesse Kirsten Pieroths. Durch die Loslösung alltäglicher Gegenstände oder Situationen aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und der Neusetzung in andere Umgebungen führt die in Berlin lebende Künstlerin zu einer Irritation in der Wahrnehmung des Beobachters. Da einzelne Dinge zwar noch durch Form oder Funktion erkannt werden können, aber nicht mehr in ihrer gewohnten Perspektive zu finden sind, werden sie offen für neue Verknüpfungen. Beim Werk Ohne Titel (2007), das einen zerschredderten Besen zeigt, der in den Räumlichkeiten der Galerie oder des Museums auf einem Haufen zusammengelegt wird, tritt ein banales Objekt in veränderter Form auf und wird somit in das Bewusstsein des Betrachters gerückt. Diesem kommen mehrere Bilder in den Sinn, einerseits tritt der Besen imaginär in seiner unveränderten Form dem Kunstbetrachter vor das Auge, andererseits kann er auch den Vorgang der Veränderung und Deformierung des Gegenstandes abspielen lassen. Pieroths dreht die Anwendung von konventionellem und logischem Denken ad Absurdum, da sie keine greifbaren Bedeutungs- und Beschreibungszustände liefert, sondern zu ergänzende Prozesse in Gang setzt.

Mit der neuen Betrachtung alltäglicher Objekte bekommen sie innerhalb des Kunstbetriebs eine neue Wertung, in der sie aus dem Zusammenhang gerissen sind und ihrer ursprünglichen Funktion entmachtet werden. Die Funktionslosigkeit wird beim Besen vor allem durch das Zerstörte sichtbar: Er kann keinesfalls mehr kehren, schlimmer noch: er wird selbst durch seine Dekonstruktion zum scheinbaren Abfall.