Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#57 Melvin Moti
No Show, 2004

16mm Film auf DVD, Farbe und Sound, 24 Minuten

Melvin Moti
Geboren 1977 in Rotterdam
Lebt und arbeitet in Rotterdam und New York City

„Ich recherchiere viel, deshalb mache ich nur etwa einen Film pro Jahr. Ich jage ständig nach unbekannten Dokumenten und obskuren Beweisen für irgendwas. Außerdem sammele ich alles, was ich in Büchern finde, in Artikeln, Bildern und Briefen. Aus diesen Informationen entsteht dann die Arbeit.“

Die Herangehensweise an seine Arbeit, die Melvin Moti hier beschreibt, trifft auch auf seine Arbeit „No Show“ aus dem Jahr 2004 zu: Nachdem er zunächst mehr durch Zufall erfahren hatte, dass während des Zweiten Weltkrieges Führungen durch die Eremitage in St. Petersburg angeboten worden waren, widmete sich Moti der intensiven Recherche. Was er dabei herausfand, zeigt sich in „No Show“. Aus Vorsicht vor möglicher Beschädigung der Kunstschätze wurden diese bis 1944 in einem sicheren Depot untergebracht. Die leeren Bilderrahmen jedoch blieben während des Krieges in den Ausstellungsräumen an den Wänden hängen. Zusätzlich wurden Soldaten eingesetzt, deren Aufgabe es war, das Museumsgebäude vor Schäden durch den Krieg oder extreme Wetterereignisse zu schützen. Diesen Soldaten nun – so erfuhr Moti – wurden 1943 von einem Museumsführer die nur noch durch leere Bilderrahmen als solche erkennbaren Ausstellungsräume gezeigt. Dabei beschrieb der erfahrene Museumsführer detailgenau die fehlenden Bilder, die er aufgrund seiner Tätigkeit noch gut im Gedächtnis hatte. So konnten sich die Soldaten die Gemälde berühmter Künstler wie von Fra Angelico oder Rembrandt, die kurze Zeit vorher noch in diesen Räumen gehangen hatten, vor ihrem inneren Auge vorstellen. Es ist diese Tour, die Melvin Moti in seinem Film und der dazugehörigen Fotografie thematisiert und damit wieder zum Leben erweckt.

Das Zusammenspiel der die Kunstwerke beschreibenden Stimme und der im Gegensatz dazu erschreckend leeren Bilderrahmen, machen das Werk aus. Moti selbst sagt: „Ich lasse den Ton und das Bild aufeinanderprallen. Man sieht nie, was man hört, Ton und Bild sind vollständig voneinander getrennt. Der Ton erzählt eine Geschichte und das Bild eine völlig andere. Zusammen erschaffen sie eine ganz neue. Und das ist es, was mich interessiert.“ Als Ergebnis entsteht für Moti so ein Versuch, mit Erinnerung, Repräsentation und der Liebe zur Kunst umzugehen.