Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

 
Omer Fast
Spielberg’s List, 2003

Video, 65 Min.
Dauerleihgabe der Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland

Omer Fast

»Spielberg’s List« - bereits der Titel verweist darauf, dass in Omer Fasts Werk zwei Ebenen zusammenkommen: der historische Aspekt einerseits und der nachgestellte andererseits. Genauso wie der Name des Regisseurs Steven Spielberg mit seinem Erfolgsfilm »Schindler’s List« im Titel kombiniert wird, verlaufen auch in Fasts Film die Grenzen. Für diesen eine gute Stunde dauernden Dokumentarfilm reiste Fast nach Krakau, wo Spielberg bereits 1993 sein Holocaust-Drama gedreht hatte. Damals waren in direkter Umgebung des ehemaligen Konzentrationslagers Plaszow Kulissen errichtet worden, die en détail der Anlage entsprachen. Diese gut erhaltenen Kulissen sind noch heute Gegenstand von »Schindler’s List Tours of Krakow«, die zahlreich angeboten werden. Tatsächlich besuchen sogar einige Touristen eher den Drehort, denn das eigentliche Konzentrationslager. Omer Fasts Film zeigt sowohl Aufnahmen aus den Resten des Konzentrationslagers als auch aus der Filmkulisse. Leere Straßen und graue, neblige Landschaften sorgen für eine düstere Grundstimmung. In Interviews stehen ihm Bewohner der Stadt Rede und Antwort, die in Spielbergs Film als Statisten gearbeitet haben. Bei ihren Erzählungen von den Dreharbeiten verschwimmen für den Betrachter bald Fiktion und Realität: Es hat den Anschein, als könnten ihre Berichte nicht nur die Erfahrungen während der Drehtage, sondern auch die Ereignisse von vor über sechzig Jahren wiedergeben. Durch diesen Eindruck und die ineinander übergehenden Aufnahmen des originalen KZs und der Filmkulissen verschwimmt in Omer Fasts Film die Fiktion von Spielbergs Drama mit der realen Historie. Ziel des Films scheint es dabei weniger zu sein, das moralisch komplexe Thema zu behandeln, sondern vielmehr deutlich zu machen, inwieweit Geschichte und Geschichtsverarbeitung als Konglomerat aus Erinnerung und Imagination bestehen.