Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#63 Roman Ondàk
Untitled, 1998

Installation, mixed media
Maße variabel

Roman Ondàk
Geboren 1966 in Zilina, Slovakai
Lebt und arbeitet in Bratislava

„Ich bin Roman Ondak, jemand, der einen Teil seiner Zeit damit verbringt, an etwas zu arbeiten, das einige Leute Kunst nennen – was das auch immer sein mag – und obwohl ich nicht weiß, ob diese Leute das brauchen oder nicht, ob es etwas verändern kann oder nicht, ob es schön ist oder nicht, bin ich versucht zu glauben, dass es gerade diese Ambiguität ist, weshalb sie sich dafür interessieren.“
(http://www.artnet.de/magazine/roman-ondak-artnet-questionnaire-de/)

Roman Ondák verlagert in kaum wahrnehmbaren Verschiebungsprozessen alltägliche Situationen in den Ausstellungskontext, um dabei auf subtile Weise gesellschaftliche Verhaltensformen, Wünsche, Ideen oder Fantasien einzufangen. Dabei baut er zugleich ein Zeitmoment ein, in dem er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschränkt. In unterschiedlich konzipierten Situationen, Aufgabenstellungen oder Anweisungen macht er dabei das Publikum oder außen stehende Personen, Bekannte, darunter auch Kinder, Arbeiter einer Fabrik ebenso wie einen Politiker, den er in einem Brief anspricht, zu Ko-Produzenten seiner Arbeiten. "Ondáks Arbeiten sind oft auch dann lesbar, wenn sie nicht als Kunstwerke erkannt werden. Mehr noch, vielfach setzt er Kunst als Mittel ein, unsere Aufmerksamkeit für das Alltagsleben und darin vorkommende Situationen zu schärfen, die nicht selten zugleich lesbar, metaphorisch und poetisch sein können." (Igor Zabel)

So auch in der hier erwobenen Arbeit. Bestehend aus diversen Steckdosen und Lichtschaltern, welche auf Eisenstäben angebracht sind, lässt sich die Arbeit – je nach Ausstellungsraum – immer wieder anders erfahren. So lässt sich ein Raum betreten, der auf den ersten Blick unauffällig und gerade zu leer wirkt. Doch nach genauerem Hinschauen bemerkt man die an den Wänden herausragenden elektronischen Armaturen. Man erkennt die Teile nicht nur als ausgebaut und als untypisch wieder angebracht, meist finden sie sich an ungewohnten Stellen wieder. So befinden sich Lichtschalter zu weit oben und Steckdosen schlichtweg viel zu nah am Boden positioniert.

Ondák gelingt es mit seiner Arbeit ein Bewusstsein für Gegenstände zu schaffen, welche normalerweise in Banalität untergehen. Der Besucher ist verwundert über die Gefühle, die solch subtile Veränderungen und Umwandlungen auslösen. Auch hier ist seine Handschrift klar zu erkennen. Das Zurücktreten des Künstlers selbst, die Immaterialisierung und Auflösung von gewohnten Strukturen, sowie etwas Unspektakuläres in etwas ganz und gar Spektakuläres zu verwandeln, sind die Vorzüge die sein Werk auszeichnen.