Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#75 Ryan Gander
The Artwork Nobody Knows, 2011

140 x 140 x 15 cm (Sockel), 15 x 7 x 5 cm (Figur)
Edition AP

Ryan Gander
Geboren 1976 in Chester, England
Lebt und arbeitet in London und Amsterdam

Ryan Gander zählt heute zu den wichtigsten und einflussreichsten britischen Künstlern seiner Generation. Neben Fotografie und Videoarbeiten umfasst sein Werk insbesondere Skulpturen und raumgreifende Installationen. Seine konzeptuellen Arbeiten setzen beim Rezipienten stets ein hohes Maß an Neugier und intellektueller Beweglichkeit voraus. Sie sind visuell aufsehenerregend und fordern dazu auf, diesem Überraschungsmoment auf den Grund zu gehen.

Die 3-teilige Skulptur The Artwork Nobody Knows (2011) zeigt eine auf dem Boden liegende Figur, bei der es sich um ein Abbild von Ryan Gander handelt. Der leerstehende Rollstuhl setzt beim Betrachter unmittelbar assoziative Vorgänge in Gang. In Bezug auf Proportion und Materialität erinnert die Figur sehr an die Plastik-Action-Figuren die viele Kinderzimmer bevölkern und wie z. B. He-Man niemals auf der Verliererseite stehen. Ryan Gander spielt mit dem Bild des gefallenen Helden, Fragen nach dem Hergang des Geschehens, was genau passiert ist bleiben jedoch im Unklaren. Der blaue Würfel, der vor der Figur am Boden liegt, zieht sich durch Ganders Werk als wichtiges Attribut und ist auf seine Faszination mit den klaren Formen der Moderne, dem Bauhaus und De Stijl zurückzuführen. Es beginnt ein unheimliches Spiel zwischen Verunsicherung und Relativierung, welches über das optisch Sichtbare hinausgeht. Die Art der Präsentation, auf einem niedrigen Sockel oder unmittelbar auf dem Boden, steht dabei im direkten Sinnzusammenhang zum Werk. Die Draufsicht gestattet es dem Betrachter das ganze Szenario nicht nur vollkommen zu überblicken, sondern stimuliert zugleich dessen Neugierde. Lässt man sich auf diese Nachforschungen ein, gerät man in ein Spiel aus ernsten oder auch witzigen Assoziationen, visuellen Bezügen und sprachlichen Anspielungen − ein Labyrinth ohne Ende und Ausgang.

„The Artwork Nobody Knows“ (2011) kann als exemplarisch für Ryan Ganders konzeptuelle Herangehensweise gesehen werden. Oftmals bieten seine facettenreichen Arbeiten – mit ihrem selbstreferentiellen Kern - neue Sichtweisen und ungewöhnliche Perspektiven. Es ist eine auf die Spitze getriebene Freude an Dekonstruktion und Neukombination, die alle Aspekte der Welt erfassen kann, von persönlichen und familiären Erfahrungen, über die Arbeit von Künstler-Kollegen und kunsthistorische Verweise, bis hin zu sozialen und alltäglichen Phänomenen.

Ryan Gander lebt und arbeitet in London. Seine Arbeiten wurden in Einzelausstellungen in wichtigen internationalen Institutionen gezeigt, z. B. Stedelijk Museum, Amsterdam; MUMOK, Wien; CCA Wattis Institute, San Francisco; South London Gallery, Boijmans van Beuningen, Rotterdam; Villa Arson, Nizza und Haus Konstruktiv, Zürich. Gander wurde mit zahlreichen Preisen wie dem Paul Hamlyn Award (2008) oder dem Zurich Art Prize (2009) ausgezeichnet. Ryan Gander war Teilnehmer der Biennale di Venezia – Illuminations / Illuminazioni, 2011, wo The Artwork Nobody Knows zum ersten Mal ausgestellt wurde.