Verein der Freunde der Nationalgalerie Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst

#82 Susan Philipsz
War Damaged Musical Instruments (Shellac), 2015

Mehrkanal-Toninstallation: 6 Lautsprecher TOA TH-650, Media-Player, Verstärker, 6 USB-Memory Sticks, 6 Hängevorrichtungen
Installationsmaße variabel
© Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, SMB, Stiftung des Vereins der Freunde der Nationalgalerie / Jan Windszus

Susan Philipsz
Geboren 1965 in Glasgow
Lebt und arbeitet in Berlin

Die schottische Künstlerin Susan Philipsz beschäftigt sich seit etwa zwei Jahrzehnten mit dem Rearrangement musikalischer/literarischer Quellen und spezifischer historischer Konstellationen. Dabei benutzt die Künstlerin oft geläufige (Pop) Musik-Sequenzen, die sie teiweise selbst a capella performt. Dazu zählen Songs der Gruppen Nirvana, Radiohead und Velvet Underground ebenso wie irische und schottische Balladen, Folksongs, Arbeiterlieder, Shanties und klassische Kompositionen (John Dowland, Ravel, Offenbach).

Bereits 2014 entwickelte Susan Philipsz für Eastside Projects in Birmingham eine Sound-Installation, die auf Kompositionen der Künstlerin für kriegsbeschädigte Musikinstrumente basiert. Die Musikinstrumente – zumeist Blasinstrumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, die zur Vermeidung von Lichtreflektionen mit einen dicken Schicht aus Schellack überzogen, gewissermaßen getarnt wurden – befanden sich in institutionellen Sammlungen und waren jahrzehntelang unbenutzt in Vitrinen ausgestellt. Die Aufnahmen der einzeln gespielten Musikinstrumente verdichtet Philipsz zu einem "Broken Ensemble" und schafft so eine beeindruckende, raumfüllende Sound-Installation.

Für ihre Installation „War Damaged Musical Instruments (Shellac)“ arrangiert Susan Philipsz neue Aufnahmen von Musikinstrumenten aus den Sammlungen von Militärhistorischen Museen in Großbritannien, die während des Ersten Weltkriegs zerstört worden sind: ein zerschossenes Flügelhorn; ein Kavallerie-Horn (Es-Dur), geborgen aus dem Wrack des britischen Frachters SS Pomeranian, der 1918 von einem deutschen U-Boot versenkt wurde; eine von einem Schrapnell zerstörte Klarinette (Es-Dur); und eine deutsche Tuba, als Trophäe im Grabenkrieg erbeutet. Die Melodie folgt dem militärischen Trompeten-Signal „Taptoe“ (oder auch: „Tap“ oder „The Last Post“), das der kämpfenden Truppe und den Verwundeten ankündigte, dass der Kampf beendet ist und die Soldaten, dem Klang der Trompete folgend, wieder zu den Ihren heimkehren sollten. Jedes Instrument wird separat einem der Lautsprecher zugeordnet, der Klang bis zu einem Grad größtmöglicher Abstraktion deformiert.

Ihre Arbeiten wurden zuletzt auf der dOCUMENTA 13, im Rahmen der Ausstellung „Sound Art“ im MoMA New York, im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin und im Düsseldorfer K21 gezeigt. 2010 erhielt Susan Philipsz den Turner Prize.